Englisch für Kinder

 

Fördert die Babys !

Ein Prisma Zeitschrift Interview mit Professor Ruxandra Sireteanu vom Max Planck Institut in Frankfurt.

Meisterschaft der frühen Jahren: Die Hirnforschung über Lernen im Kindesalter.

Seit der 1. PISA- Studie ist die Krise unseres Schulsystems endlich wieder in der Diskussion. Was dabei nicht immer deutlich wird: Die Versäumnisse beginnen bereits im Vorschulalter !  So sind die Erkenntnisse der Forschung am menschlichen Gehirn bislang sträflich vernachlässigt worden. Im Bildungssystem finden sie so gut wie keinen Niederschlag.

Die Hirnforschung legt eine aktive Lernförderung jedoch schon in frühestem Kindesalter nah - in Deutschland ein Tabu.

In den ersten Lebensjahren erfährt das Gehirn grundlegende Prägung und stärkstes Wachstum seines geistigen Potenzials. Spielerische Bildung, etwa auch der Einstieg in eine Fremdsprache spätestens ab dem vierten Jahr, bedeutet daher, ´´ Kinder in ihren Entwicklungsmöglichkeiten ernst zu nehmen``, sagt die Neurobiologin Ruxandra Sireteanu (56) vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt.

Im Prisma- Interview erläutert sie ihre Thesen.

Prisma:  Frau Professor Sireteanu, was sagt die moderne Hirnforschung zur Lernfähigkeit im frühen Kindesalter?

Ruxandra Sireteanu: Bei der Geburt sind bereits alle Nervenzellen des Gehirns angelegt. Die neuronalen Schaltstellen, die Synapsen, bilden sich biszum achten Monat heraus, Danach wird ihrer Zahl allmählich reduziert. Allerdings gibt es Fasersysteme, die sich bis weit ins zweite Lebensjahrzehnt ausbilden.

Prisma: Was bedeutet die frühe neurobiologische Reifung für die weitere Persönlichkeitsentwicklung?

Sireteanu: Die verschiedenen Gehirnareale entwickeln sich in den ersten Lebensjahren in rasch aufeinander folgenden Zeitfenstern. In dieser Phase stürmischen und leichten Lernens wird das Gehirn modelliert, also für das Leben prägend geformt.

Mit spätestens vier Jahren ist das Sprachvermögen so weit entwickelt, dass das Kind seine erste Fremdsprache lernen kann. Der akustische Sinn entwickelt sich bis zum vierten Lebensjahr, der visuelle bis zum 8. Lebensjahr. In der Pubertät bildet sich die soziale Wahrnehmung heraus.

Prisma: Was lernen Kinder wann besonders gut?

Sireteanu: Zusammenfassend kann man sagen: Die Sinnessysteme entwickeln sich in den ersten Lebensjahren, intergrative und soziale Funktionen bis spät in die Pubertät.

Prisma: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Stimmt das?

Sireteanu: Ja, es gilt aber auch Wer rastet, der rostet. Es gibt einen altersbedingten Unterschied im Lernerfolg. In frühkindlichem Alter können wir eine Fremdsprache akzentfrei wie unsere Muttersprache lernen. Änlich ist es in Musik und Sport: Virtuosität und Meisterschaft sind in frühester Kindheit angelegt.

Prisma: Werden Kinder bei uns zu wenig gefordert?

Sireteanu: Das kann ich bestätigen, nicht als Hirnforscherin, sondern als Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern. Im Vorschulalter wird von Kindern zu wenig erwartet. Dabei haben sie dann einen schier unstabillbaren Entdecker- und Wissendrang. Erzieher sehen ungern, wenn Kinder dann schon lesen können.

Prisma: Woran liegt das?

Sireteanu: Förderung im Vorschulalter verlangt kostspielige Investitionen in den Kindergärten. Zudem hängen viele Eltern einen verbreiteten Irrtum an: Sie möchten ihr Kind möglichst lange vor Stress und Leistungsdenken dieser Welt schützen. Wohlmeinend übersehen sie, dass spielerische und lernende Beschäftigung durchaus Hand in Hand gehen.

Prisma: Übt sich früh, wer Karriere machen will? Von Mozart bis zu Steffi Graf gibt es dafür Beispiele zuhauf.

Sireteanu: Frühe Förderung von Kindern ist kein Plädoyer fürm Säuglingsuniversitäten. Nicht um Drill geht es, sondern darum, das Kind im frühen Alter mit seinen Entwicklungsmöglichkeiten ernst nehmen. Vielfache Anregungen zum entdeckenden Lernen führen dorthin. Eine Einsicht, die in der vorschulischen Erziehung angel-sächsischer Länder weiterentwickelt ist.

Prisma: Wie schützt man lernwillige Kinder vor dem Ehrgeiz leistungs- und erfolgsfixierter Eltern?

Sireteanu: Ganz einfach. Wenn sich Kinder überfordert fühlen, zeigen sie das unmissverständlich. Wer Kinder früh fördern will, muss zuerst einmal viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen.

Interview: Jörg Bärschneider.

Top     Back     Catalogue     English Teaching Materials

 

Home  :  Startseiten für :     Sprachen

Catalogue ~ Sprachkurse ~ Teacher´s Club ~ Seminars ~ Contact

Info´s: Early Childhood ~ Bilingualism ~ Early Reading & Writing

About Us ~ Terms & Cond./AGB~  Order Form / Bestellformular ~ Links